22.10.2018 Zion NP – Angel’s Landing-Versuch zum 4., Lower Emerald Pools

Als um 6 Uhr der Wecker klingelt, bin ich schon ewig wach. Ich habe in der letzten Nacht kaum geschlafen. Natürlich, ich bin total nervös, da heute ein Traum in Erfüllung gehen könnte – endlich Angel’s Landing zu besteigen. Dies ist bereits der 4. Versuch. 2010 und 2014 ist meine Mutter in der Mitte der ersten Switchbacks umgedreht, da sie ziemliche Probleme hat, wenn es neben ihr steil hinuntergeht. Und da ich sie nicht alleine lassen wollte, bin ich mit umgedreht. 2016 sind Frank und ich den West Rim Trail an einem Tag gelaufen, und da war ich dann natürlich schon ziemlich platt, als wir an Scout’s Lookout ankamen. Ich habe mir die ganzen Jahre nie Gedanken darum gemacht, ob ich den Weg schaffe oder nicht – schließlich gehe ich auch am Fels klettern (wenn es sich für mich Flachlandtiroler ergibt) und leide nicht besonders unter Höhenangst. Klar habe ich einen Respekt vor der Höhe, aber mein Standardsatz ist, dass ich mich ja normalerweise auf der Straße auch nicht auf die Nase lege – warum dann an einer Stelle, an der ich auch noch aufpasse, wo ich herlaufe?

Aber in letzter Zeit habe ich beim Anblick von Filmen und Bildern schon mal ein ziemlich mulmiges Gefühl gehabt – und auch die Befürchtung, dass mir der Weg zu schmal, der Abhang zu steil und was weiß ich sein kann. Außerdem hat es die ganze Nacht immer wieder geregnet, was ja nun auch nicht die besten Voraussetzungen sind. Also landen wir recht früh im Frühstücksraum. Das Frühstück ist eher mäßig – es gibt Toast, Papprührei, Bratkartoffeln, sehr fettigen Labberspeck und immerhin Kaffee.
Kati und ich tauschen ein paar WhatsApps zur Planung des morgigen Tages, da bekommen wir noch gute Tipps. Außerdem bittet sie uns, ihr noch ein paar Informationen am Wilderness desk zu besorgen.
Nachdem wir ewig in Springdale an der Bushaltestelle warten kommt der Bus. Der Busfahrer erzählt unter anderem, dass mit einer Regenwahrscheinlichkeit von 60% zu rechnen ist. Na toll!
Nachdem wir am wilderness permission desk alles erledigt haben, fahren wir mit dem Bus in den Park. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Bandansage seit Jahren die gleiche ist.
Draußen ist immer noch alles grau. Aber ich will das jetzt angehen, verschieben geht nicht – morgen haben wir andere Pläne und ab übermorgen wird alles gesperrt, da Scout’s Lookout ein paar Überarbeitungen bekommt. Also – jetzt oder nie.
Vor der Haltestelle „the Grotto“ weist das Band auf Angel’s Landing hin – ich muss beim Aussteigen recht grimmig aussehen, da die Frau auf der Bank neben mir mir noch zunickt und die Daumen hochhält – schauen wir mal.

Wir kommen langsam immer höher, schnell ziehe ich die Weste aus. Die Regenjacke bleibt aber erst mal angezogen.

Es regnet mal fester, mal weniger – aber ich kann über einen Abbruch nicht mal nachdenken, auch wenn ich irgendwo schon weiß, dass das totaler Quatsch ist, was ich hier gerade mache. Dafür ist es schön leer.
Uns kommen schon einige Leute entgegen – puh, wann sind die denn los? Spannend auch, wie unterschiedlich sich Menschen für die gleiche Sache kleiden: sportlich, elegant, Jeans, Turnschuhe, Kleider – alles vertreten.
Im Refridgerator Canyon sieht es nach dem Regen ganz toll aus, ich nehme mir vor hier auf dem Rückweg ausführlich zu fotografieren.
Der Weg bis Scout’s Lookout lässt sich ganz gut laufen, das hatte ich mir echt schlimmer vorgestellt. In den letzten Jahren hatte ich bergauf immer wieder Probleme, einen hochroten Kopf, Herzrasen und ich war superlangsam. Aber das bessert sich allmählich (ich denke, das sind noch Spätfolgen des Rauchens), so dass wir nach ungefähr einer Stunde an Scout’s Lookout ankommen.
Ich gebe Frank meinen Rucksack und stecke nur eine Flasche Wasser in die Jackentasche, und die Kamera unter die Jacke.
Es ist gerade trocken, also gehe ich los. Das erste Stück kann ich auch echt gut laufen, nervös bin ich natürlich schon.
Vor mir gehen ein paar junge Frauen, und irgendwie schließen wir uns zusammen. Deswegen habe ich auch Fotos, auf denen ich mit drauf bin, denn erst mal habe ich genug mit mir zu tun.
Immerhin kennt sogar eine der Amerikanerinnen Düsseldorf und kann ein, zwei deutsche Sätze sagen wie :“Was hast Du am Wochenende gemacht?“

Schön hinter dem Baum

So lange ich die Ketten habe, geht es mir gut und ich habe sogar Spaß an der Sache. Aber das erste kurze Stück zwischen zwei Kettenabschnitten haut echt rein. Hier gibt es keinen horizontalen Halt, der Sandstein ist abschüssig. Und das fordert mich ganz schön. Anstatt – wie am Ooh Aah Point mich in Ruhe hinzusetzen und an die Höhe zu gewöhnen, will ich nur weiter.
Wieder an den Ketten geht es mir auch wieder gut, aber ich schaue mir auch nicht zu genau die Umgebung an. Ich sehe zwar die gesprungene Steinplatte, aber so richtig Zeit nehme ich mir nicht – es könnte ja wieder regnen.
Nach den nächsten Ketten orientieren wir uns gen links, da wir nicht sehen, dass wir rechts an der Erhebung vorbei müssen. Wir kommen natürlich auch links nicht vorbei, und setzen uns erst mal hin. Die Amerikanerinnen meinen, dass wir schon da seien, aber ich bin mir sicher, dass das noch ein gutes Stück Weges ist.

Diese beiden Fotos bringe ich noch zu Stande – ehe es wieder anfängt zu regnen. Ich werde recht nervös und in meinem Kopf setzt sich fest, dass ich abbrechen werde. So sehr ich mich darüber ärgere, ich komme nicht dagegen an. Also höre ich tatsächlich auf mein Bauchgefühl und die Vernunft (dass ich das noch mal schreiben darf…) und mache mich auf den Rückweg. Runter zum Beginn der Kette rutsche ich auf dem Po, so bin ich von der Rolle. Dann geht es wieder zurück zu Frank, der sehr überrascht ist, mich so schnell wiederzusehen.
Eigentlich wollte ich hier ausgiebig fotografieren…

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Ich bin total sauer auf mich und enttäuscht – immerhin habe ich mich Jahre darauf gefreut – und dann schaffe ich es nicht.
Ziemlich zerknirscht laufen wir zur Zion Lodge, ich habe absolut keine Lust, jetzt im Refridgerator Canyon Bilder zu machen. Das Wetter ist auch nicht so prickelnd…

Als wir am Fluss ankommen, klart es allmählich auf.

Wir gehen zur Zion Lodge, wo wir uns Sandwiches und was zu Trinken holen. Außerdem muss ich erst mal meine Wunden lecken und meinen doch arg verletzten Stolz wieder aufpäppeln.

An der Lodge sitzen wir in der Sonne, aber der Boden ist noch ordentlich nass. So richtig warm ist es auch noch nicht wieder, aber die Sonne kommt immer mal wieder heraus. Wir entschließen uns, den Lower Emerald Pools Trail zu laufen und gehen zurück in die Richtung, aus der wir vor einer Stunde gekommen sind.
Der Wasserfall hat sich seinen Namen so richtig verdient, da ordentlich Wasser herunter kommt. Ich kenne das hier nur tröpfelnd.

Hier ist erst mal Schluss. Der Weg ist gesperrt, da hier ein ziemlicher Erdrutsch heruntergekommen ist und den kompletten Weg unter sich begraben hat. Gerade stehen hier einige Ingenieure, Parkverwaltung und Ranger zusammen und besprechen wohl das weitere Vorgehen.

Wir laufen langsam zurück, gehen ein Stück am Fluss entlang und fahren zurück zum Visitor Center.

Hier kaufen wir uns jeder einen Hoodie und ich gucke ein wenig durch die Fotobücher, die verkauft werden.
Da der nächste Tag recht anstrengend wird, fahren wir zurück gen Hotel und entspannen ein bisschen. Ich kaufe mir einen Rucksack zum Wandern und Fotografieren, der nicht ganz so riesig ist, wir essen ein Eis und packen den Rucksack für morgen, schmieren Brote und laden die Akkus. Anschließend essen wir bei Blondie’s zu Abend. Es gibt Buffalo Burger – lecker! Mir schmeckt sogar Dr. Pepper.  

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