30.12.2019 Ground Zero, Regen auf der Brooklyn Bridge, endlich wieder meine Lieblingspizza und das 9/11 Tribute Museum

Heute schlafen wir mal ein bisschen länger und frühstücken so gegen halb 8 – Oatmeal, Banane und Kaffee. Der zweite Kaffeefilter macht sich direkt positiv bemerkbar, so kommen wir beide schneller an unseren Kaffeegenuss.
Da wir es heute morgen nicht so eilig haben, baue ich meine Campingstühle im Zimmer auf. Das klappt mit Katis Hilfe auch überraschend gut, und wir lassen die Stühle den Tag so stehen, damit sich das Gewebe ein bisschen weitet.

Da in unserem Explorer – Pass ein Besuch des 9/11 Museums inkludiert ist, fahren wir zum Ground Zero, um Karten für später zu reservieren. Wir haben ja genug Zeit, um alle wichtigen Programmpunkte zu sehen und je nach aktueller Lage anzupassen – der Vorteil eines langen, entspannten Städtetrips.
Neben dem Oculus ist seit meinem letzten Besuch 2017 ein Kunstmuseum entstanden. Allerdings haben wir für moderne Kunst beide nicht so ganz die Ader, von außen aber ist es fotogen.
Am Museum würden wir gerne Karten für später am Tag (oder einen anderen Termin) kaufen, aber man kann an der Kasse nur Karten für sofortigen Einlass kaufen – und da haben wir bei der langen Schlange keine Lust zu. Der Automat an der Rückseite des Museums verkauft zwar auch Tickets für später am Tag, aber da können wir ja dann unseren Pass nicht einlösen.

Wir gehen zu den Footprints und nehmen erst mal beide jede für sich die Atmosphäre auf. Jede lässt sich mit dem Fotoapparat treiben und nach so 20 Minuten treffen wir uns wieder.

Wir schlendern zum Oculus und machen hier von innen ein paar Aufnahmen, ehe wir mit der Bahn zu b&h fahren – dem größten Geschäft für Fotozubehör (und andere Träume für Technikfans) überhaupt.

Wir suchen nach Hüllen für Objektive, um diese sicher verpackt im Rucksack unterbringen zu können. Ich finde eine große, die ich auch am Gürtel befestigen kann und eine Schutzhülle für die Kamera.
Wir laufen zum Port Authoritiy Terminal und trinken erst mal in Ruhe bei Starbucks einen Kaffee.

Die Lüftung ist allerdings so laut und wir sitzen so blöd im Zug, dass wir möglichst zügig aufbrechen und mit der Subway zur Brooklyn Bridge fahren.
Es ist zwar immer noch regnerisch, aber immerhin haben wir jetzt die Brücke fast für uns allein. Wir gehen recht zügig nach Brooklyn und nehmen den Abstieg zu DUMBO.

Von hier aus ist es nur ein Katzensprung zu Grimaldi’s – meiner absoluten Lieblingspizzeria! Zum ersten mal waren meine Mutter und ich 2008 hier, bei unserem erste New York Trip. Da wurde das Restaurant im Reiseführer als Frank Sinatra’s Lieblingsrestaurant gerühmt, und wir fanden es super. Seitdem war ich bei jedem Besuch in NY einmal hier – wobei sie mittlerweile ein paar Meter weiter die Straße hoch gezogen sind, und der alte Seniorchef jetzt unter dem Namen Juliana’s am alten Ort ist. Aber auch so sind beide Läden meist richtig voll, man muss teilweise lange anstehen. Eine normale Pizza reicht gut für zwei Personen, die Hälften können verschieden belegt werden.

Nachdem wir gut gesättigt sind, fahren wir zurück Richtung WTC. Wir wollen schauen, ob wir nicht doch doch in das Museum kommen. Die Schlangen vor dem Eingang sind immer noch lang, aber die Automaten haben noch Tickets für 18 Uhr. Die ziehen wir uns und gehen so lange gegenüber in das Century 21.
Dieses Geschäft liebt man oder man hasst es – ich persönlich liebe es meistens. Ich will für Frank Hosen kaufen und ansonsten noch herumschlendern und gucken, was mir so ins Auge (und die Einkaufstüte) springt. Kati gefällt es überhaupt nicht in dem Geschäft, und sie geht lieber zu dem Starbucks gegenüber. Ich finde die gewünschten Hosen, während ich mit Frank telefoniere und sie so „mit ihm zusammen“ aussuche. Für mich selber finde ich aber überhaupt nichts. Das habe ich hier schon ganz anders erlebt, da musste ich erst zurück ins Hotel und die vollen Tüten wegbringen….
Aber so stopfe ich die Hosen einfach in meinen Rucksack und bin recht schnell wieder bei Kati. Wir trinken in Ruhe Kaffee und gehen dann zu dem Museum.


Ich erinnere mich noch genau an den Tag: es war ein Dienstag, im Referendariat der Seminartag. Wir waren in einem Copy-Shop, als ich einen Anruf erhielt, ich solle schnell zu einem Fernseher gehen, es sei „ein Flugzeug in New York in das World Trade Center gefallen“. Ich verstand das so nicht und dachte spontan eher an ein kleines Sportflugzeug, so wie es mal auf dem Roten Platz in Moskau gelandet ist. Deswegen war ich auch nicht weiter besorgt. Der Hammer traf mich dann zu Hause, als bereits der erste Turm kollabiert war und der zweite Turm noch stand. Mein Gehirn begriff nur ganz langsam und in kleinen Portionen das, was der Fernseher da zeigte. Es war eines der Ereignisse, die mit ein bisschen Abstand erst immer weiter erfasst werden und dadurch keinesfalls ihren Schrecken verlieren, sondern eher noch schlimmer werden.
Hier kommen nun viele Jahre später noch neue Facetten hinzu. Ich möchte jetzt aber gar nicht zu sehr ins Detail gehen, da wir alle unterschiedliche eigene Erinnerungen haben und ich die Empfindungen vor Ort gar nicht wiedergeben kann. Worte werden dem nicht gerecht.
Ich bin ja eigentlich nicht nah am Wasser gebaut, aber hier fließen an einigen Stellen dann doch Tränen.
Das Museum ist sehr respektvoll und pietätvoll gemacht. Es zeigt auch die technischen Begebenheiten, mit denen der Bau der schweren Türme erst möglich gemacht wurde und die zum Glück an 9/11 hielten, sonst wäre die Katastrophe noch größer geworden.

Unter den Footprints sind jeweils eigene Ausstellungen, in denen es verboten ist zu Fotografieren. Ich halte mich natürlich daran. Um 21 Uhr kommen wir wieder aus dem Museum und machen noch ein paar Nachtaufnahmen.

Wir gehen hinüber zum Oculus und fahren mit der Bahn zurück ins Hotel. Müde und nachdenklich gehen wir schlafen.

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