13.10.2019 Ein Morgenspaziergang mit Blick auf die Brücke, Dolores Heights, Chinatown und Pier 2 zur blauen Stunde

Wir werden nach einer ruhigen Nacht sehr früh wach, dank Jetlag geht das echt von allein. Im Gegensatz zu Arbeitstagen, an denen ich mich noch mal tief ins Bett kuscheln möchte, bin ich direkt wach und bis unter die Haarspitzen motiviert. Wir trinken einen schnellen Kaffee im Zimmer und gehen dann fix in Richtung Brücke.
Auf dem Parkplatz mache ich erstmal ein Bild unseres Autos.

Das Motel liegt sehr zentral und sieht aus wie einem typischen amerikanischen Film entsprungen. GENAU SO stellt man sich amerikanische Motels vor.

Der Morgen ist noch nebelig, aber es blitzt schon blauer Himmel durch. Es verspricht, ein richtig schöner Tag zu werden.

Nach ein paar Blöcken kommen wir zum Jachthafen. Momentan sind direkt am Wasser die Grünstreifen gesperrt, es ist Fleet Week. Das erklärt auch, warum die Preise so hoch sind aktuell. Wir walken ein Stück am Wasser entlang, ich versuche zu laufen. Zu Hause klappt das auch schon ganz gut, allerdings unterschätze ich komplett meine Müdigkeit. Also gebe ich nach 10 Minuten auf und walke nun mit meiner Mutter zusammen.
Auf dem Weg zurück ins Hotel kommen uns eine Menge mehr Läufer entgegen, die hier mit sensationellem Blick am Sonntag Morgen joggen.

Zurück im Motel gehen wir direkt in den Frühstücksraum, der noch sehr ruhig und leer ist. Wir treffen einen Mann, der uns auch vorhin am Wasser entgegen gekommen ist. Er erzählt, dass er früher 25 kg schwerer war und nun durch zuckerarme Ernährung und Laufen abgenommen hat. Außerdem genieße er die frühen Stunden in Ruhe bei so einem tollenAusblick wie hier- besonders den letzten Teil kann ich nur unterschreiben.

Nach der Dusche machen wir uns auf den Weg in Richtung Dolores Heights. Wir waren schon zweimal in San Francisco und möchten heute mal was Neues sehen, wobei Dolores Heights jetzt nicht sooo der Geheimtipp ist. Wir schlendern aber erst mal zur Chestnut Street, da wir beide neue Armbänder für unsere apple – Uhren suchen. Von dort geht es mit dem Bus dann aber Richtung Dolores Heights.

Wahnsinn, wir sehen von der Bushaltestelle aus das Wasser. So langsam glaube ich wirklich, dass ich in San Francisco angekommen bin.

Ich habe im Vorfeld die muni – app auf mein Handy geladen und Tagestickets gekauft, die ich nun aktiviere. Die Tickets sind günstiger als an den Verkaufsstellen und man kann welche auswählen, die Fahrten mit der Cable Car beinhalten. Außerdem müssen wir so nicht an einem Schalter anstehen, sondern können flexibel entschieden, wann und ob wir die Tickets aktivieren.

Der Bus braucht so eine gute halbe Stunde und wir vertreiben uns die Zeit richtig gut damit, die ganzen verschiedenen Leute anzugucken die den Bus mit uns benutzen. Da ist alles bei – vom Banker in schickem Anzug und Krawatte bin hin zu leider auch mehreren Obdachlosen, die wohl ein flüssiges oder „luftiges“ Frühstück hatten.

Wir steigen an der Ecke des Mission Dolores Parks aus. Direkt gegenüber sehen wir diese schöne Kirsche und San – Francisco – typische Häuser. Hach, ist das schön hier!

Zuerst einmal gehen wir in die Bi – Rite Creamery, von der ich im Vorfeld nur Gutes im Internet gelesen habe. Dieses Mal habe ich den Urlaub mal nicht nach Reiseführer geplant, denn den habe ich schon x – Mal gelesen (Als ob ich nur einen hätte…. ) Ich habe dieses Mal über Pinterest nach unseren Urlaubsorten gesucht und bin so auf diversen Blogs von Leuten gelandet, die diverse Top 10 Listen oder so erstellt haben. Oft waren das auch Personen die in San Francisco leben, oft herkommen oder mal hier gelebt haben. Da waren dann oft richtig gute Tipps auch zu Shops, Cafés und auch Eisdielen bei. Und hier der Tipp mit der Creamery war richtig gut!

So gestärkt machen wir uns auf den Weg in den Park. Er ist nicht sehr groß, aber sehr schön und gut gepflegt. Von einer Anhöhe haben wir einen großartigen Blick über San Francisco.

Wir verlassen Park wieder und machen uns auf dem Weg zum Women’s Building. Hier setzen sich Frauen für Frauen besonders in den Bereichen Kunst und Bildung ein. So kurz vor Halloween sind schon echt coole Dekorationen auf der Straße zu sehen!

Auf dem Weg kommen wir schon an einigen besprühten Häusern vorbei.

Das Women’s Building ist sehr beeindruckend, komplett bemalt und liebevoll bis ins letzte Detail kreativ gemacht.

Von hier aus laufen wir die paar Blocks südlich zur Balmy Street, die für ihre Graffitis berühmt ist. Unterwegs nehmen wir die recht „normale“ Nachbarschaft in uns auf.

In der Balmy Street angekommen, schlendern wir einfach mal hindurch. Lang ist die Straße eher nicht, nur ein paar hundert Meter. Hier ist wirklich jedes Haus anders bemalt bzw. besprüht. Wir können auf einmal gar nicht alles entsprechend aufnehmen, auch wenn wir immer wieder stehen bleiben. Der Auslöser glüht und hier kann ich wirklich nur einen kleinen Ausschnitt der ganzen murals zeigen.

So allmählich bekommen wir wieder Hunger und gehen hier direkt in ein kleines Restaurant. Hier drin sind nur südamerikanisch aussehende Gäste und die Bedienung spricht gebrochen Englisch. Herrlich, ich liebe so etwas! Das Essen ist entsprechend superlecker und günstig. Zur Toilette muss ich mich durch die Küche quetschen, in der temperamentvoll zu Salsa – Musik gesungen und getanzt wird. Auf meinem Gesicht setzt sich ein Dauergrinsen fest.

Wir machen uns auf den Weg in Richtung Innenstadt, wir wollen zum Union Square und uns da ein wenig umsehen und shoppen.

Unterwegs kann ich mich an den verschiedenen Geschäften nicht satt sehen.

Wir wollen in die U – Bahn steigen die direkt zum Union Square fährt. Dummerweise fährt die gerade nicht. Also flitzen wir wieder die Treppe hoch und springen in den Bus, der an der Market Street hält. Direkt gegenüber ist der Disney Store. Vorher bin ich noch nie in einem Disney – Store gewesen, aber nach den begeisterten Berichten einer Bekannten gehen wir mal hinein – wir haben ja schließlich Urlaub.

Die Weihnachtspullover sind so hässlich dass ich sie schon wieder gut finde und fast gekauft hätte! Aber dann siegt doch die Vernunft und ich erstehe ein Shirt für Frank und eins für mich.

Am Union Square dann wollen wir Bilder an den Herzen machen – und müssen erst mal warten, da ein asiatisches Pärchen, das mehrere Luis – Vuitton – Tüten trägt sich erst mal MIT den Tüten ablichten lässt. Und dabei werden die geshoppten Tragetaschen immer schön in die Kamera gehalten. Aber OK, so ist jeder Jeck anders und jedem sind andere Dinge wichtig. Bestimmt haben die dann bei unserem Anblick gedacht: „Voll doof die beiden Blondies – lassen ihre Tüten stehen und haben noch nicht mal coole Tüten dabei!“ – Vielleicht hätten wir uns bei ihnen ja welche leihen können? !

Schräg hinter uns ist das Designer Shoe Warehouse, das wir nun ansteuern. Wir finden hier noch jede ein Doppel – Ladekabel für unser Handy und ein anderes Gerät. Meine Mutter schwankt zwischen mehrere Paar Schuhen und kauft letztendlich – keins davon. Ich hole mir ein Paar Laufschuhe, schließlich bin ich kurz davor, die 5 km am Stück zu knacken. Und überraschenderweise macht Joggen sogar Spaß! Und ich schnaufe bergauf nicht mehr wie eine alte Dampflok bzw. komme besser Hügel hoch. (Leider geht das mit dem Joggen nicht mehr – nach dem Urlaub habe ich mal 6 km am Stück geschafft, aber ein Beckenschiefstand und eine krumme Beinachse verhindern das Joggen nachhaltig. So langsam suche ich mir dann mal Alternativen).

Von hier aus geht es weit zu 450 Sutter. Das Gebäude habe ich schon in einem anderen Reisebericht gesehen und auf einigen Fotoseiten über San Francisco bewundert. Zuerst fotografiere ich von außen, allerdings steht direkt davor eine Mülltonne – und da ich keine Lust auf große Retuschearbeiten habe, lasse ich den unteren Teil einfach mal aus dem Bild raus.

Wir gehen danach einfach in das Gebäude hinein. Hier unten in dem Aufzugsbereich ist niemand, also mache ich noch ein paar Bilder. Das Innere ist noch beeindruckender als die Fassade in einem „Neo – Maya – Stil“. Ich habe nun genau zwei Möglichkeiten: nach drei, vier Bildern gehen oder mich festknipsen. Nach einem Blick auf die Uhr, meine Mutter und mit dem Gefühl, hier vielleicht etwas Verbotenes zu tun, entscheide ich mich schweren Herzens für Option 2.

Einen Block weiter liegt das Dragon’s Gate und dort steuern wir nun hin.

Hier verändert sich das Straßenbild sofort. Die typischen Ketten werden abgelöst durch chinesische 1$ Läden, es gibt teilweise riesengroße Tiernachbildungen aus Stein zu kaufen (wieviel da wohl Shipping und Tax kosten??) und immer wieder T- Shirt Läden und chinesische Elektronik, Massagesalons, Kräuterläden – hier ist für jeden was dabei!

Meine Mutter ersteht eine neue Hülle für ihr Handy und wir kaufen günstige Postkarten.

Von einer Ecke haben wir einen tollen Blick auf die Transamerica – Pyramide.

Die Lampions finde ich total schön und man hat wirklich das GeEfühl, ein Stück weit in China zu sein.

An der nächsten Ecke konzentriere ich mich auf den Blick nach rechts, denn auch den habe ich mir geistig notiert, um hier zu fotografieren. So weit komme ich aber gar nicht, da kurz vorher viele Sachen gleichzeitig passieren: Ich höre ein Quietschen, einen dumpfen Knall und ein metallisches Scheppern. Leute schreien auf, alles um mich herum wird hektisch. Meine Mutter geht ein paar Meter vor mir her, rennt los und schreit nur: „Komm mit, du musst helfen!“
Ich renne los und sehe ein Auto mitten auf der Straße stehen und einen jungen, asiatisch aussehenden Mann auf der Straße sitzen. Auf dem Bürgersteig stehen Leute mit gezückten Handys und filmen die Szene. Bei dem Mann ist – niemand. Ich gucke flüchtig nach vorbeifahrenden Autos und renne zu dem Mann am Boden. In dem Moment ärgere ich mich, meine Handschuhe nicht dabei zu haben. Normalerweise habe ich immer ein paar Handschuhe in einer gelben Überraschungsei – Hülle dabei. Frank hat uns vor dem Urlaub noch ein kleines Erste – Hilfe – Set gekauft, um unterwegs kleinere Wunden und Blasen versorgen zu können. Mitten in der Großstadt wollte ich das natürlich nicht mitschleppen und so habe ich nichts zur Hand, als ich mich zu dem Mann hocke. Er wiegt sich vor und zurück, presst sich die Kapuze seines Hoodies an den Kopf und unter seiner Hand sickert Blut hervor und tropft auf die Straße. Einen Mann bitte ich direkt die Ambulanz anzurufen und den Fahrer des Wagens frage ich nach seinem Verbandskasten. Den hat er nicht. WTF? Eine Apotheke sehe ich nicht von meinem Standpunkt aus. Der Beifahrer des Unfallwagens winkt sich ein Taxi, sagt etwas wie der andere Typ sei nur sein Fahrer und er müsse nun zu einem Geschäftstermin und ist weg. Ich dagegen bin völlig baff. NIEMAND bietet Hilfe an (außer meiner Mutter natürlich), alle filmen und ich werde angenölt, den Mann doch mal von der Straße zu schaffen. Ich vermute zwar keine Wirbelsäulenverletzung, da er sich ja im Oberkörper wiegt, lasse es aber dennoch sein. Ich möchte nicht, dass er mir zusammenklappt und sich dann noch mehr verletzt. Ich kann zusehen, wie er immer blasser und blasser wird. Also tue ich das Einzige, was mir noch bleibt: ich rede mit ihm. Ich hab zwar keine Ahnung, ob er mich überhaupt versteht, aber ich erzähle ihm, dass der Krankenwagen unterwegs ist und alles bestimmt gut wird. Seine Wunde sehe gar nicht so schlimm aus (die sehe ich zwar nicht unter Hand und Kapuze, aber egal). Nach ein paar Minuten kommt der RTW, sie verbinden den Mann und nehmen ihn mit. Fast gleichzeitig trifft die Feuerwehr ein, sie reinigen die Straße.

Völlig geschockt und verstört gehen wir weiter. Wir gehen in Geschäfte, gucken und gar nicht richtig um, gehen wieder raus und in das nächste Geschäft hinein, in dem dann das gleiche Spielchen abläuft. Als es anfängt zu dämmern, erinnere ich mich an das Foto und gehe zurück. Hier fotografiere ich wie auf Automatik den Blick auf die Brücke, ehe wir die Straße hoch zur Cable Car gehen.

Diese ist noch recht voll, da es durch den Unfall gerade einen ziemlichen Rückstau gegeben hat. Aber wir haben Glück und die nächste ist recht leer.

Wir fahren also runter in Richtung Ferry Building und gehen hinüber zu Pier 2.

Hier packe ich endlich mein Stativ aus, das ich den ganzen tag mitgescheppt habe und fotografiere den Pier entlang.

Hinter uns können wir einen sehr beeindruckenden „Hunter’s Moon“ bestaunen.

Nach ein paar weiteren Fotos packen wir zusammen – es wird frisch so am Wasser.

Mit der Cable Car fahren wir zurück nach Chinatown, um essen zu gehen. An der Unfallstelle sieht man nichts mehr, alles ist weggewaschen. Uns jedenfalls begleitet der Unfall in Gedanken noch eine ganze Zeit.

Wir landen in einem Restaurant an der Hauptstraße und bestellen – ich weiß aber beim besten Willen nicht mehr, was es war. Am Nebentisch sitzt ein Soldat in Uniform mit Seesack. Er fängt ein nettes Gespräch an und erzählt, dass er quasi auf dem Weg zum Schiff ist und er bald ablegen wird. Dann packt er aus seinem Seesack einen „Bobble – Head“ aus und fragt ob wir wissen, was das sei – na ja, eigentlich schon, aber dieser hier ist ein Baseball-Spieler und davon haben wir beide überhaupt keine Ahnung. Es handelt sich um Matt Chapman – falls den wer kennt. Jedenfalls schenkt er uns den Bobblehead, ich muss ihm allerdings versprechen, den auch wirklich nach Deutschland mitzunehmen. Den Gedanken findet er ziemlich cool, dass seine Figur (die er wohl an der Marina gewonnen hat) so eine weite Reise antreten soll. Das Versprechen habe ich gehalten, er steht im Bücherregal.
Der Rest des Essens verläuft ereignislos, was uns nach dem Tag sehr Recht ist. Mit dem Bus geht es in die Nähe unseres Motels, und nach nur 100 Versuchen mit der Karte sind wir im Zimmer.Was für ein erster Urlaubstag!

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