
Der Tag beginnt ungewohnt entspannt. Es regnet, also stehen wir nicht besonders früh auf, sondern schlafen aus und frühstücken in aller Ruhe in unserer Hütte. Diese isländischen Hütten sind einfach praktisch: eine richtige kleine Küche, genug Platz, alles gemütlich. Draußen hängt der Himmel tief, drinnen ist es warm und ruhig – ein guter Start.
Gegen Vormittag machen wir uns auf den Weg Richtung Seyðisfjörður. Direktverbindungen gibt es hier nicht, stattdessen führen die Landstraßen durch weite Landschaften, über Pässe, vorbei an Wasserfällen und Nebelbänken. Die Strecke zieht sich, aber sie ist spektakulär. Erst gegen Mittag erreichen wir den Ort.

Schon bei der Ankunft fallen sie wieder ins Auge: die typischen isländischen Wellblechhäuser. Überraschend schön, viel schöner als erwartet, farbig, ordentlich, irgendwie charmant. Wir finden die bekannte Kirche mit dem Regenbogenpflaster, das selbst bei grauem Wetter leuchtet. Ich stöbere ein wenig durch kleine Läden und Märkte. Wie immer auf Island ist alles ziemlich teuer, aber dafür hochwertig – ein paar besondere Mitbringsel wandern trotzdem in die Tasche.

Danach laufen wir entspannt am Fjord entlang. Hier kommt auch die Fähre aus Dänemark an, und man merkt, dass Seyðisfjörður für viele das Tor nach Island ist – allerdings ganz im Osten, weit weg von Reykjavík. Die Häuschen, die kleinen Details, die Atmosphäre: alles wirkt ein bisschen künstlerisch, fast wie eine Mischung aus Hafenstadt und Atelierdorf.








Weil das Wetter weiterhin regnerisch, neblig und ungemütlich bleibt, landen wir schließlich noch in einer Pizzeria im Ort. Es ist warm, trocken, gemütlich – und eine kurze Pause, bevor wir weiterfahren.


In der Hoffnung auf besseres Wetter geht es anschließend Richtung Bakkagerði. Unterwegs entdecken wir einen dieser typisch isländischen Kioske: eine kleine Hütte am Straßenrand, davor ein Spielplatz, Blumenbeete, ein Picknickplatz. Drinnen gibt es alles, was man für eine Pause braucht – Snacks, Getränke, Kleinigkeiten. Genau die Art von Ort, an der man einfach anhalten muss.



Die Fahrt nach Bakkagerði dauert lange, bestimmt zwei Stunden. Am Ende erreichen wir einen kleinen, sehr hübschen Fischerort. Im Hafen blühen Blumen, alles wirkt ruhig und freundlich. Im Sommer nisten hier die Papageitaucher. Man kommt erstaunlich nah heran, weil sie ihre Bruthöhlen in einen grasbewachsenen Hügel graben. Über diesen Hügel führen Treppen, die man nicht verlassen darf – zum Schutz der Tiere und auch, weil der Boden unterhöhlt ist.












Die Puffins sitzen überall, in rauen Mengen. Sie schlagen mit den Flügeln, laufen tapsig umher, wirken gleichzeitig unbeholfen und unglaublich präsent. Die Jungtiere sind schon recht groß und üben das Fliegen, aber noch nicht flügge. Wären sie es schon, wäre hier kein Papageitaucher mehr zu sehen – dann wären sie längst draußen auf dem Meer. Mit etwas Glück sehen wir sogar ein, zwei Elterntiere mit Sandaalen im Schnabel, auf dem Weg zu ihren Jungen.





Das Wetter bleibt feucht und grau, also machen wir uns schließlich auf den Rückweg zu unserer Unterkunft. Unterwegs müssen wir wieder an einem typisch isländischen Roadblock warten – Baustelle, einspurige Straße, Geduld gehört hier einfach dazu. Am Abend gibt es wahrscheinlich noch einen Skyr, dann endet dieser lange, ruhige, eindrucksvolle Tag im Osten Islands.


