Am Morgen ist das Wetter noch etwas wolkenverhangen, als wir aufbrechen und zunächst zum Wrack der BA64 fahren. Das alte Schiff liegt hier schon seit vielen Jahren und gehört wohl zu den ältesten Wracks Islands. Wir laufen einmal rundherum, fotografieren es aus verschiedenen Perspektiven und versuchen, die etwas melancholische Stimmung einzufangen, die solche Orte immer mit sich bringen.
Wir sind immer noch in den Westfjorden, in der Nähe von Isafjörður, in diesem kleinen Hotel, an das ich mich viereinhalb Jahre später kaum noch erinnere. Nicht fünf. Viereinhalb. Ich rechne das jedes Mal kurz nach.
Es ging zum Dynjandi, dem quasi donnernden Wasserfall. Dynjandi heißt auch übersetzt „der Donnernde“. Wir sind ganz normal aufgestanden und haben gefrühstückt. Das Schöne in Island im Sommer ist ja, dass es quasi Tag und Nacht hell ist. Man muss sich überhaupt nicht beeilen, weil es dunkel werden könnte. Man kann einfach seinem eigenen Rhythmus folgen – und mittlerweile waren wir auch wirklich angekommen und entspannt.
Ich hatte allerdings nach wie vor ein bisschen Probleme mit dem vielen Licht. Tagsüber schlafe ich viel im Auto, nachts dafür schlechter. Dieses dauernde Hellsein bringt meinen Rhythmus doch mehr durcheinander, als ich gedacht hätte.
Die Fahrt zum Dynjandi zog sich – wenn ich mich recht erinnere, waren es anderthalb bis zwei Stunden. Das Wetter war nicht ganz so prickelnd, entsprechend war es auch nicht übermäßig voll. Am Parkplatz sah man schon viele Vorbereitungen für Ladesäulen, allerdings eher für Hybrid- und normale Autos als für reine E-Autos. Wobei man in Island ja fast denkt, Energie wird frei Haus geliefert.
Wir haben gut geschlafen, packen unsere Sachen und fahren weiter Richtung Ísafjörður. Unterwegs entdecke ich natürlich wieder ein neues Schild für meine inzwischen sehr spezielle Sammlung. Dieses hier ist eindeutig: Jagen verboten. Als ob wir auf die Idee kämen – aber gut zu wissen.
Unsere erste Nacht in den Westfjorden – und die erste in dieser Unterkunft – verbringen wir erstaunlich ruhig. Wir schlafen gut und gehen am Morgen in den großen Frühstücksraum. Dort werden wir nicht nur vom Duft nach Kaffee begrüßt, sondern auch von einem ziemlich eindrucksvollen Papagei, der offenbar fest zum Inventar gehört.
Sehr ungern verlassen wir am Morgen die schöne Hütte, in der wir hervorragend geschlafen haben. Aber es hilft ja nichts, wir packen zusammen und machen uns auf den Weg. Verloren gehen kann man hier tatsächlich nicht, denn Island ist – auch hier in den Westfjorden – extrem gut beschildert. Diese typischen isländischen Schilder zeigen nicht nur Richtungen, sondern oft auch ganz genau, was es wo zu sehen gibt.
Unterwegs entdecken wir ein hübsches Freiluftschwimmbad. Kurz überlegen wir, ob wir schwimmen gehen, entscheiden uns dann aber dagegen. Irgendwie passt es heute nicht so richtig, und der Tag hat noch genug vor.
Wir wachen morgens in unserem etwas… speziellen Airbnb auf, das ich ja schon beschrieben habe. Wir frühstücken vor Ort, nehmen dann die Wäsche von der Leine – aus der zweiten, dritten und vierten Maschine vom Vortag – packen alles zusammen, verabschieden uns von der wirklich niedlichen Hofkatze und sind uns ziemlich einig: Hier müssen wir nicht noch einmal unterkommen. Es war klein, eng, laut und auch nicht besonders sauber.
Danach geht es endlich weiter Richtung Westen, denn heute steht der Aufbruch in die Westfjorde an. Ein Blick auf die Island-Karte macht uns kurz bewusst, wie weit wir eigentlich schon gekommen sind. Der Süden, der Osten und der Norden liegen hinter uns, übrig bleiben nur noch der Westen und der Golden Circle. Und dafür haben wir immerhin noch zwei Wochen Zeit. Andere sind für Island deutlich kürzer unterwegs. Unser erstes Fotomotiv des Tages entdecken wir eher zufällig: lustige kleine Steinfiguren weisen auf einen Laden hin, in dem Selbstgestricktes und handgemachte Dinge verkauft werden. Wir halten an, schauen uns um und ich wundere mich einmal mehr, wie unglaublich gut hier gestrickt wird. Diese Pullover sind einfach beeindruckend.
Am nächsten Tag fahren wir von unserer Unterkunft noch einmal nach Akureyri. Schon von der anderen Fjordseite aus haben wir einen richtig schönen Blick auf den Ort, bevor wir unser erstes Ziel ansteuern: das Weihnachtshaus etwas außerhalb der Stadt.
Wir stehen am 18. Juli wirklich früh auf, denn heute liegt viel Strecke vor uns. Ein kurzer Blick auf die typisch isländischen Straßenschilder erklärt, warum man sich hier zumindest in der Nähe kaum verfährt: Jedes einzelne Haus ist darauf abgebildet – sehr übersichtlich. Allerdings stelle ich mir jetzt das Ganze mal in Neuss vor – und wie lang dann die Rotphasen an den Ampeln sein müssten…
Der Tag beginnt ruhig. Beim Frühstück haben wir den Kopf schon bei dem, worauf wir uns besonders freuen: Reiten auf Islandpferden. Unsere Wirtin hatte uns im Vorfeld ein kleineres Gestüt in der Nähe empfohlen – bewusst nicht eines der großen, sehr touristischen. Und wir haben Glück mit dieser Entscheidung.