20.07.2021 Auf dem Weg in die Westfjorde

Wir wachen morgens in unserem etwas… speziellen Airbnb auf, das ich ja schon beschrieben habe. Wir frühstücken vor Ort, nehmen dann die Wäsche von der Leine – aus der zweiten, dritten und vierten Maschine vom Vortag – packen alles zusammen, verabschieden uns von der wirklich niedlichen Hofkatze und sind uns ziemlich einig: Hier müssen wir nicht noch einmal unterkommen. Es war klein, eng, laut und auch nicht besonders sauber.

Danach geht es endlich weiter Richtung Westen, denn heute steht der Aufbruch in die Westfjorde an. Ein Blick auf die Island-Karte macht uns kurz bewusst, wie weit wir eigentlich schon gekommen sind. Der Süden, der Osten und der Norden liegen hinter uns, übrig bleiben nur noch der Westen und der Golden Circle. Und dafür haben wir immerhin noch zwei Wochen Zeit. Andere sind für Island deutlich kürzer unterwegs.
Unser erstes Fotomotiv des Tages entdecken wir eher zufällig: lustige kleine Steinfiguren weisen auf einen Laden hin, in dem Selbstgestricktes und handgemachte Dinge verkauft werden. Wir halten an, schauen uns um und ich wundere mich einmal mehr, wie unglaublich gut hier gestrickt wird. Diese Pullover sind einfach beeindruckend.

Kaum wieder im Auto, müssen wir schon wieder anhalten. Ein Schild weist auf eine der Regionen Islands hin, und auch hier stehen liebevoll bemalte Steinfiguren. Also steigen wir natürlich wieder aus, schauen und fotografieren.

Von hier aus fahren wir weiter zu Borgarvirki. Borgarvirki ist eine der wenigen bekannten Festungsanlagen Islands. Es handelt sich um eine natürliche Festung aus Basalt, bei der bis heute nicht eindeutig geklärt ist, ob sie jemals tatsächlich belagert wurde. Strategisch günstig gelegen ist sie auf jeden Fall.

Geologisch ist der Ort besonders spannend. Borgarvirki besteht aus säulenförmigem Basalt, der durch das langsame Abkühlen von Magma im Inneren eines Vulkanschlots entstanden ist. Das umgebende, weichere Gestein wurde im Laufe der Zeit durch Erosion abgetragen, während der harte Basaltkern stehen blieb. Man kann sich Borgarvirki also als den freigelegten inneren Teil eines ehemaligen Vulkans vorstellen, der heute wie eine natürliche Burg aus der Landschaft herausragt.

Auf dem Plateau finden sich Reste von Mauern, und im Hintergrund sieht man den markanten Schornstein mit der Windrose, der dem Ort zusätzlich etwas Eigenartiges verleiht. Ein Platz, der gleichzeitig historisch und geologisch wirkt – und genau deshalb sehr typisch für Island ist (natürlich gibt es hier auch ein paar Caches die wir suchen).

Danach fahren wir weiter zu Hvitserkur, dem berühmten Felsen, der aussieht wie ein Elefant – oder wie ein Seemonster, das gerade aus dem Meer trinkt. Wir halten oben am Parkplatz, schauen hinunter und machen ein paar Fotos.

Natürlich wäre der Blick von unten noch beeindruckender. Der Felsen wirkt dort größer und mächtiger, und die Perspektive ist deutlich spektakulärer. Zeitlich hätten wir es sogar geschafft, aber der Weg nach unten ist schmal, steil und rutschig. Wir entscheiden uns bewusst dagegen – Urlaub heißt schließlich nicht, sich irgendwo unnötig etwas zu brechen.

Ab hier fühlt es sich dann tatsächlich an wie das Tor zu den Westfjorden. Die Landschaft wird weiter, leerer und noch ursprünglicher. Ich mache nur noch ein paar Bilder aus dem Auto heraus: ein wunderschöner Leuchtturm, die weite Landschaft und diese besondere Stimmung, die Island gerade an solchen Fahrtagen hat.

Kurz nach der Abzweigung sehen wir dann einen Adler. Er ist weit entfernt, und bis ich die Kamera in der Hand habe, ist er fast schon wieder weg. Für ein Teleobjektiv reicht die Zeit nicht mehr, aber immerhin gelingen mir noch ein oder zwei Bilder mit dem normalen Objektiv. Auch wenn sie nicht perfekt sind: Wir haben auf Island einen Adler in freier Wildbahn gesehen.

Am späten Nachmittag erreichen wir unsere Unterkunft. Vier kleine, hübsche Hütten mit Schlafzimmer, Küche und Couch. Draußen auf jeder Terrasse gibt es einen Grill, einen Windschutz und einen eigenen Hotpot. Allein das sorgt schon dafür, dass es vom restlichen Tag nicht mehr viele Bilder gibt.

Nachdem wir die Unterkunft bezogen und den Grill entdeckt haben, fahren wir noch einmal einkaufen. Dann wird gegrillt, gegessen und anschließend im Hotpot entspannt. Wir sitzen im warmen Wasser, lassen den Tag ausklingen und machen einfach nichts mehr.

Schließlich ist Urlaub.

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