17.07.2021 Reiterglück auf dem Isländerrücken, Glaumbær Museum, Dimmuborgir, viele Mücken am Myvatn und ein Abend am Aldeyjarfoss

Der Tag beginnt ruhig. Beim Frühstück haben wir den Kopf schon bei dem, worauf wir uns besonders freuen: Reiten auf Islandpferden. Unsere Wirtin hatte uns im Vorfeld ein kleineres Gestüt in der Nähe empfohlen – bewusst nicht eines der großen, sehr touristischen. Und wir haben Glück mit dieser Entscheidung.

Als wir ankommen, begrüßen uns erst einmal jede Menge neugieriger, unglaublich süßer Fohlen. Zu unserer großen Freude dürfen wir die Pferde tatsächlich streicheln – natürlich nur, wenn sie es selbst zulassen. Das ist auf Island keineswegs selbstverständlich. Viele Reisende halten einfach an, füttern Pferde mit ungeeigneten Leckereien oder bedrängen sie. Die Tiere gewöhnen sich daran, werden aufdringlich – und isländische Bauern reagieren darauf deutlich konsequenter, als man es von zu Hause kennt. Umso schöner ist es, hier die Tiere anfassen zu dürfen.

Unsere Guide für den Ausritt ist eine Praktikantin aus Österreich – perfekt, denn wir können uns komplett auf Deutsch verständigen. Die Pferde werden uns gebracht, ich beginne mit Putzen, Satteln und Trensen und helfe dabei auch Frank, der zum ersten Mal in seinem Leben wirklich engen Kontakt mit einem Pferd hat. Sein Respekt ist groß, aber es klappt erstaunlich schnell und ruhig. Und dann sitzen wir auch schon im Sattel.

Wir haben uns für die zweistündige Tour entschieden, um weiter hinauszukommen und – vielleicht – tölten zu können. Ich fühle mich sehr schnell wieder zuhause im Sattel. Islandpferde sind ganz anders als viele Pferde, die man von hier kennt: Sie wollen laufen. Vorwärts. Immer. Man muss sie eher bremsen als antreiben. Ein kleiner Impuls, etwas mehr Zügel freigeben – und schon geht es los. Dieses ständige „Darf ich? Darf ich jetzt?“ genieße ich sehr und lasse mein Pferd auch immer wieder tölten. Frank bleibt mit der Praktikantin etwas zurück und reitet entspannt Schritt. Als wir zurück auf dem Hof ankommen, sind wir beide glücklich – und Frank sagt sogar, dass er jetzt versteht, warum Reiten als Hobby Spaß macht. Von ihm, dem Wikinger, ist das ein echtes Kompliment.

Als Nächstes fahren wir Richtung Laufás. Zuerst schauen wir uns die kleine Kirche an, dann besuchen wir das Museumsdorf mit seinen alten Torfhäusern.

Ehrlich gesagt finde ich die Gebäude von außen fast spannender als von innen – das harte Leben früherer Zeiten kennt man aus vielen Museen. Trotzdem schlendern wir durch die Häuser, trinken einen Kaffee und essen die obligatorische isländische Waffel. Hier kaufe ich mir endlich ein handgestricktes Stirnband und einen Islandpullover. Besonders schön: Die Mitarbeiterin im Café zeigt mir aus dem Fenster die Höfe, auf denen die Frauen leben, die genau diese Stücke gestrickt haben. Kein anonymer Souvenirshop, sondern echte Handarbeit aus dem Land.

Da der Tag noch jung ist, fahren wir weiter zu Dimmuborgir. Dimmuborgir ist kein Krater, sondern ein ehemaliges Lavafeld, das aus einem Lavasee entstanden ist. Als die heiße Lava langsam abfloss, stürzten Teile der erstarrten Oberfläche ein und hinterließen bizarre Türme, Bögen und Höhlen. Heute wächst das Gebiet langsam zu.

Wir laufen die große Runde und kommen dabei auch nach Hellarhellir, wo der Volksglaube die Heimat der Weihnachtskobolde verortet. Anders als bei uns beginnt Weihnachten auf Island schon 13 Tage vorher – an jedem Tag kommt ein anderer Kobold, der kleine Streiche spielt: Löffel ablecken, Türen knallen, Pfannen ausschlecken. In Dimmuborgir sieht man ihre Stühle und die Höhle, in der sie wohnen sollen – jetzt natürlich leer, denn es ist Sommer.

Ganz in der Nähe gönnen wir uns noch eine Pause bei einem Eisladen, von dem der Reiseführer geschwärmt hat. Und das völlig zu Recht! Frank probiert Lakritzeis, das schmeckt ihm auch. Danach spazieren wir an den Skútustaðagígar entlang – die Pseudokrater am Mývatn, die uns geologisch besonders interessieren. Hier werden wir allerdings gnadenlos von Mücken attackiert, sodass wir schließlich fluchtartig ins Auto wechseln.

Am Abend fahren wir nicht direkt zum Goðafoss, sondern nehmen die parallel verlaufende Straße zum Aldeyjarfoss. Nach etwa 45 Minuten erreichen wir einen der schönsten Wasserfälle der Reise. Der Fluss stürzt hier malerisch über perfekt ausgeprägte Basaltsäulen. Weil ein kurzes Stück F-Straße dazugehört, ist der Wasserfall deutlich weniger besucht. Wir bleiben lange oben stehen und genießen den Anblick. Es gibt einen schmalen, steilen Pfad nach unten, aber der ist uns zu heikel – niemand möchte hier im eiskalten Wasser landen. Also bleiben wir oben, schauen, fotografieren und fahren schließlich durch die tief stehende Abendsonne zurück zur Unterkunft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert