
Es ging zum Dynjandi, dem quasi donnernden Wasserfall. Dynjandi heißt auch übersetzt „der Donnernde“. Wir sind ganz normal aufgestanden und haben gefrühstückt. Das Schöne in Island im Sommer ist ja, dass es quasi Tag und Nacht hell ist. Man muss sich überhaupt nicht beeilen, weil es dunkel werden könnte. Man kann einfach seinem eigenen Rhythmus folgen – und mittlerweile waren wir auch wirklich angekommen und entspannt.
Ich hatte allerdings nach wie vor ein bisschen Probleme mit dem vielen Licht. Tagsüber schlafe ich viel im Auto, nachts dafür schlechter. Dieses dauernde Hellsein bringt meinen Rhythmus doch mehr durcheinander, als ich gedacht hätte.
Die Fahrt zum Dynjandi zog sich – wenn ich mich recht erinnere, waren es anderthalb bis zwei Stunden. Das Wetter war nicht ganz so prickelnd, entsprechend war es auch nicht übermäßig voll. Am Parkplatz sah man schon viele Vorbereitungen für Ladesäulen, allerdings eher für Hybrid- und normale Autos als für reine E-Autos. Wobei man in Island ja fast denkt, Energie wird frei Haus geliefert.

Der Weg hinauf führt vorbei an mehreren kleineren Wasserfällen – ich meine, es waren sieben – die sich wie eine kleine Kaskadentreppe unterhalb des großen Hauptfalls aneinanderreihen. Wir fotografieren natürlich jede einzelne Stufe, spielen mit Belichtungszeiten und Perspektiven. Der Dynjandi selbst wirkt von unten nach oben gewaltig, aber genauso beeindruckend ist der Blick von oben nach unten: wie steil sich das Wasser durch die Gesteinsschichten gräbt, wie es nicht streng linear fällt, sondern sich leicht schlängelt, über Kanten bricht und in Fächern auffächert.




Ich konnte natürlich nicht widerstehen und ließ ein Foto von mir machen – von hinten, wie ich in typischer Insta-Pose auf den Wasserfall schaue. Frank ist natürlich mit hochgegangen – was ein Quatsch, eben dachte ich noch, er sei unten geblieben. Er stand ganz oben und fotografierte mich, wie ich da begeistert vor diesem Naturwunder stehe. Manchmal darf man auch einfach kitschig sein.


Nach ausgiebigem Herumlaufen und Fotografieren aus allen möglichen Ecken und Enden ging es weiter Richtung Þingeyri. Wir schlenderten dort ein bisschen durch den Ort, schauten in der Touristeninformation und in eine kleine Ausstellung. So richtig umgehauen hat uns das alles nicht – vielleicht lag es auch am Wetter. Wir fotografierten eher lustlos Vorgärten und alte Reifen, die zu Kunstobjekten umfunktioniert worden waren.






Dann beschlossen wir, auf den Bolungarvík hinaufzufahren – den Hausberg bei Isafjörður – um unserem Hobby nachzugehen: dem Cachen. Oben erwarteten uns fantastische Ausblicke: Berge, Täler, deutlich erkennbare ehemalige Fjorde, Lupinen im Vordergrund, Nebel und Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg durch die Wolken bahnten. Dank des vielen Regens waren unsere Schuhe inzwischen ordentlich matschig. Wir suchten ein paar Geocaches, schauten uns den kleinen, alten Leuchtturm an und genossen einfach diese Weite.











Am Abend trafen wir uns in Isafjörður mit Freunden zum Essen. Es war ja noch immer Sommer 2021, Corona-Zeit. Viel Reisen war damals nicht möglich, Island hatte – wie ich ganz am Anfang schon geschrieben habe – für Geimpfte die Grenzen geöffnet. Für uns war es die erste Islandreise, für die beiden schon die zweite. Sie hatten keine klassische Touri-Runde gemacht, sondern waren durchs Hochland gefahren: von Reykjavík im Uhrzeigersinn hoch in die Westfjorde und dann quer durchs Hochland zurück – eine ganz andere, sicher ebenfalls beeindruckende Route.
Wir trafen uns also in Isafjörður und gingen gemeinsam essen. Am Nebentisch hatte jemand mitbekommen, dass wir Deutsch sprechen, und fragte freundlich, ob er ein Foto von uns machen solle. Ein Isländer – viele lernen dort tatsächlich Deutsch in der Schule. Das Bild zeige ich hier allerdings nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Partnerin unseres Freundes das nicht im Internet sehen möchte, und das respektiere ich selbstverständlich.

Im inzwischen wunderschön warmen Abendlicht spazierten wir noch ein Stück am Hafen entlang. Dann ging es zurück in unsere Unterkunft – müde, ein bisschen matschig, aber sehr zufrieden mit diesem donnernden Tag.
