22.07.2021 Unterwegs in den Westfjorden

Unsere erste Nacht in den Westfjorden – und die erste in dieser Unterkunft – verbringen wir erstaunlich ruhig. Wir schlafen gut und gehen am Morgen in den großen Frühstücksraum. Dort werden wir nicht nur vom Duft nach Kaffee begrüßt, sondern auch von einem ziemlich eindrucksvollen Papagei, der offenbar fest zum Inventar gehört.

Bevor wir losfahren, schauen wir uns noch etwas auf der Farm um. Natürlich gibt es hier Pferde. Island ohne Pferde wäre schließlich kaum vorstellbar. Dann starten wir einfach in den Tag – ohne festen Plan, nur mit dem Wunsch, die Westfjorde zu entdecken.

Und ich entdecke ein neues Hobby: Verkehrszeichen fotografieren. Auf Island sind sie herrlich selbsterklärend – zum Glück mit Symbolen und nicht mit isländischen Wörtern, die wir ohnehin nicht lesen könnten. Besonders spannend:

  • Die Hinweise auf F-Straßen, die man nur mit 4×4 befahren darf. Wer mit normalem Auto hinein fährt, bleibt schnell stecken – und ist nicht versichert.
  • Schmale Brücken mit nur einer Fahrspur. Man verständigt sich einfach nonverbal, wer zuerst fährt. Und es funktioniert.
  • Der „Übersetzblindkopf“ – Hügelkuppen, bei denen man nicht sehen kann, wer auf der anderen Seite kommt. Also langsam und aufmerksam.

Irgendwann halten wir an einem Fluss und spazieren ein Stück am Ufer entlang. Allerdings werden wir dort nicht nur von Landschaft begrüßt, sondern von einer ganzen Kolonie Küstenseeschwalbe. Die Bodenbrüter verteidigen ihre Jungen kompromisslos. Frank wedelt mit der Kamera über dem Kopf, wir fuchteln mit allem, was wir haben – Hauptsache, die Vögel picken nicht auf unseren Köpfen herum.

Am Ufer liegen unzählige Muscheln, kleine Schalen überall verteilt. Dazwischen wächst lilafarbenes Pflanzenzeug, das wir nicht bestimmen können. Und immer wieder sehen wir Wollgras, das im Wind wippt.

Später erreichen wir die Arctic Fox Centre. Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass man hier zwei Polarfüchse sehen könne. Vor Ort erfahren wir jedoch, dass diese inzwischen verstorben sind.

Stattdessen leben hier zwei junge Füchse, deren Mutter tödlich verunglückt ist. Sie waren noch zu klein, um allein zu überleben, und wurden aufgenommen. Jagen lernen konnten sie nicht mehr von ihrer Mutter – deshalb werden sie ihr Leben lang hier betreut. Sie bekommen Futter und Freigang, bleiben aber auf menschliche Hilfe angewiesen. Ein bisschen traurig – und gleichzeitig schön zu wissen, dass sie versorgt sind.

Von dort aus fahren wir weiter, halten hier und da, steigen immer wieder aus und laufen ein Stück. Später gönnen wir uns noch Waffeln, bevor wir an einem weiteren Flusssee landen. Dort fotografieren wir Enten und sogar Robben. Am Ufer liegen mehrere rostige Schiffe – eine fast surreale Kulisse zwischen Wasser, Bergen und Metall.

Am Abend sind wir müde, aber zufrieden. Wir fahren zurück zur Unterkunft – und schlafen wieder tief und fest in den stillen Westfjorden.

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