19.07.2021 Akureyri, Weihnachten im Sommer und ein Infinity-Pool

Am nächsten Tag fahren wir von unserer Unterkunft noch einmal nach Akureyri. Schon von der anderen Fjordseite aus haben wir einen richtig schönen Blick auf den Ort, bevor wir unser erstes Ziel ansteuern: das Weihnachtshaus etwas außerhalb der Stadt.

Schon von außen ist klar, worum es hier geht. Das Haus ist weihnachtlich dekoriert, auf dem Dach liegen Süßigkeiten – natürlich Lakritz, isländisch eben. Direkt vor der Tür steht ein Schild mit der Aufschrift „158 Tage bis Weihnachten“. Elfenhäuser fehlen genauso wenig wie eine Wäscheleine, an der der Weihnachtsmann offenbar gerade seine Sachen trocknet. Schließlich muss ja alles fertig sein, bevor die nächste Saison beginnt.

Selbst die Toilette ist komplett weihnachtlich gestaltet – mit Holzeiszapfen und grün-roten Kacheln.

Drinnen gibt es alles, was man sich unter einem Weihnachtsshop vorstellen kann: Süßigkeiten, Deko, viel Kitsch, manches ganz hübsch, anderes eher Geschmackssache – in allen Größen, Farben und Formen. Wir beschränken uns auf ein paar Bonbons.

Nebenan ist noch ein Markt mit frischen Produkten und Deko, die auch das ganze Jahr über funktionieren würde, aber auch hier kaufen wir nichts.

Zurück in Akureyri schauen wir kurz von außen in einen Kameraladen. Die Preise sorgen allerdings dafür, dass wir ziemlich schnell wieder draußen stehen. Stattdessen gehen wir nebenan lieber Kaffee trinken und Kuchen essen – eine deutlich bessere Entscheidung.

Danach fahren wir weiter Richtung Sauðárkrókur. Unterwegs genießen wir die Fjorde, entdecken Walknochen am Ufer, sehen Gestelle zum Fisch­trocknen und kommen an einer Fischfangflotte und einer Fischfabrik vorbei. Island zeigt sich hier wieder sehr typisch.

Da wir noch Zeit haben, besuchen wir am Nachmittag ein weiteres Museum. Es ist nicht wesentlich spannender als das vorherige, aber die Bauweise der alten Torfhäuser finden wir wirklich interessant. Diese Häuser waren gegen alles geschützt – Regen, Schnee, Kälte, Hitze – und hatten innen eine erstaunlich konstante Temperatur. Viel mehr Aufmerksamkeit bekommen aber die vierbeinigen Nachbarn draußen, die wir kurz besuchen und beobachten, bevor es weitergeht.

Unser letztes Ziel des Tages ist das Schwimmbad in Hofsós mit seinem bekannten Infinity Pool. Vom Wasser aus wirkt es tatsächlich so, als würde man direkt ins Meer hinausschwimmen. Das Schwimmbad funktioniert typisch isländisch: reinkommen, ausziehen, duschen – und zwar gründlich. Überall hängen Schilder, die sehr genau zeigen, was „überall waschen“ bedeutet. Badebekleidung bleibt dabei nicht an. Hintergrund ist, dass die Isländer ihre Schwimmbäder und Hot Pots nicht chloren. Sauberkeit ist deshalb oberstes Gebot, und gerade bei Touristen wird darauf auch geachtet. Dafür ist das Wasser angenehm und reizt die Haut kaum.

Im Inneren des Schwimmbads entdecke ich ein Foto: Basaltsäulen im Meer, von Wasser überspült, fast märchenhaft, mit Nebel und Wolken darüber. Ich bin sofort begeistert und frage an der Kasse, wo dieses Bild aufgenommen wurde. Der Mitarbeiter zuckt mit den Schultern, ein Kollege meint, das müsse irgendwo hier an der Küste gewesen sein, vermutlich ein Stück weiter nördlich im Hafenbereich.

Also machen wir uns nach dem Schwimmen auf den Weg, um den Ort zu suchen. Wir fahren durch den kleinen Ort, der nicht viel hergibt – Geschäfte und Restaurants gibt es nicht mehr. Wir finden schließlich eine Stelle, die passen könnte. Bei dem aktuellen Wetter und ruhigem Meer sehen die Basaltsäulen allerdings ziemlich harmlos aus. Im Abendlicht sind sie schön und fotogen, aber nicht das dramatische Motiv vom Foto. Das nehmen wir gelassen: Leben ist kein Wunschkonzert. Wir machen trotzdem ein paar Bilder und fahren zurück.

Unsere Unterkunft ist ein Airbnb im selben Haus wie die Eigentümer, nur durch eine abgeschlossene Tür getrennt. Das Schlafzimmer ist sehr klein, das Bad noch kleiner, und im Flur befindet sich eine Mini-Küche mit Waschmaschine. Genau wegen der Waschmaschine haben wir gebucht, weil Wäschewaschen in Island nicht überall einfach ist.

Also schmeißen wir direkt eine Maschine an, hängen die Wäsche trotz Wind draußen auf und schauen eine Weile zu, wie sie vor sich hin flattert. Als sie halbwegs trocken ist, nehmen wir sie ab, legen alles zusammen – und gehen schlafen.

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