Wir stehen am 18. Juli wirklich früh auf, denn heute liegt viel Strecke vor uns. Ein kurzer Blick auf die typisch isländischen Straßenschilder erklärt, warum man sich hier zumindest in der Nähe kaum verfährt: Jedes einzelne Haus ist darauf abgebildet – sehr übersichtlich. Allerdings stelle ich mir jetzt das Ganze mal in Neuss vor – und wie lang dann die Rotphasen an den Ampeln sein müssten…

Zunächst fahren wir noch einmal zur Grjótagjá. Natürlich nicht, um die berühmte heiße Liebesszene nachzustellen – who knows, knows – sondern wegen unseres zweiten Hobbys neben der Fotografie: Geocaching.
Vorgestern haben wir hier keine Caches gesucht, was wir im Nachhinein wirklich bedauert haben. Also fahren wir heute noch einmal her, schauen uns die Höhle erneut von innen an, weil wir es kaum glauben können, dass genau hier Jon Snow und Ygritte ihre Szene hatten, und machen uns anschließend auf die Suche nach den Dosen in der näheren Umgebung.




Danach machen wir uns auf den langen, langen Weg zum Dettifoss. Wir entscheiden uns bewusst für die Ostseite des Flusses. Man muss sich früh auf eine Seite festlegen, denn später kann man den Fluss nicht mehr queren. Die Ostseite gilt als schöner, mit besserem Blick – dafür ist die Straße etwas anspruchsvoller.
Wir parken, steigen aus und gehen nur ein paar Meter bis zum Wasserfall. Sofort müssen wir uns anschreien, so laut ist das Dröhnen. Wir merken schon, dass der Dettifoss der wasserreichste Wasserfall Europas ist. Im Sommer kommen hier bis zu 400 m³/s herunter – also das Zehnfache von unserem Jahresverbrauch zu Hause. Wir laufen ein wenig herum, entspannen, machen Fotos, lassen uns vor den Wassermassen fotografieren – pure Urgewalt. Dann zurück ins Auto und weiter nach Norden.







Unser nächstes Ziel ist Ásbyrgi. Der Sage nach hat hier Sleipnir, Odins Pferd, einen Hufabdruck hinterlassen – und tatsächlich wirkt dieser Klotz wie ein gewaltiger Huf, der plötzlich aus dem Nichts aufragt.





Wir parken unten und laufen hoch. Der Weg ist lang, anstrengend und schweißtreibend. Oben genießen wir die Aussicht, laufen bis ganz ans Ende, lassen den Blick schweifen – und machen uns schließlich wieder auf den Abstieg. Eigentlich steht für heute noch Raufarhöfn auf dem Zettel, aber die Entfernungen hier sind trügerisch: Die Straßen sind einfach andere als zu Hause, und es ist inzwischen spät.



Da wir abends unbedingt noch in den Hot Pot wollen, entscheiden wir uns für die Rückfahrt. In der Nähe von Mývatn haben wir mehrfach das Schild von Daddi’s Pizza gesehen – heute ist Pizza-Abend. Nach etwas Wartezeit bekommen wir einen Tisch und eine richtig gute, leckere Pizza, von der ich allerdings nur die Hälfte schaffe.
Später sitzen wir noch lange im Hot Pot, ein Bier in der Hand, die Mitternachtssonne über uns. Wir unterhalten uns mit einer Frau aus Belgien und ihrer Tochter, lassen den Tag Revue passieren und genießen diese besondere Ruhe.
Dann geht es schlafen – unsere letzte Nacht hier in Laugar.

